KinderKlimperKram

Ein bisschen öko, ein bisschen waldorf und ganz viel praktisch – Tipps aus meinem Leben mit zwei Kids.

Reboarder Autokindersitz: WARUM RÜCKWÄRTS?

Auto_rückwärts

Wir haben uns Anfang 2013 unseren rückwärtsgerichteten Autositz gekauft, nachdem ich recht viel gelesen, recherchiert und verglichen habe. Warum wir uns für einen Reboarder entschieden und welchen wir gewählt haben, will ich gerne erzählen (in insg. 3 Artikeln: Warum rückwärts?; Welche gibt es? Wo kann man sie kaufen?)

(Herzlichen Dank an Verena von NoLi, deren Info-Text ich nicht hätte besser schreiben können und ihn deshalb einfach übernehme – übrigens, in ihrem Onlineshop berät und verkauft sie auch, ein Blick lohnt sich!)

„Warum rückwärts?!“

Es gibt viele verschiedene Kindersitze, mit vielen verschiedenen Funktionen und Sicherheitsmerkmalen, aber es gibt ein Grundkriterium, welches im Falle eines Unfalles entscheidend sein wird.

Babyschalen müssen rückwärtsgerichtet montiert werden und das aus gutem Grund! Der Kopf eines Kleinkindes beträgt 25% von seinem gesamten Körpergewicht, beim Kopf eines Erwachsenen, beträgt das anteilige Gewicht dagegen nur 6%. In der nachfolgenden Grafik wird dies gut veranschaulicht:

Gewichtsverhältnis

Tja, so in der Art würde es also aussehen, wäre dein Kopf, prozentuell, genauso groß und schwer wie der eines Kleinkindes:Gewichtsverhältnis2

Und jetzt stell dir vor, du müsstest eine Vollbremsung mit, sagen wir, 50km/h machen. Das Fahrzeug kommt zum Stillstand, während sich alles was nicht fixiert ist, innerhalb des Autos, weiterhin mit 50km/h vorwärts bewegt. Dein Körper wird also im besten Fall vom Gurt zurückgehalten, während dein im Vergleich extrem schwerer Kopf, ungebremst nach vor schleudert. 

Vielleicht musstest du schon einmal vollbremsen und weißt daher welche Belastung das für die Nackenwirbel, auch schon bei wesentlich geringerer Geschwindigkeit, bedeutet. In unserem Beispiel ist unser Kopf aber um das vierfache schwerer als normal. Was wären die Folgen? Können unsere Nackenwirbel das überstehen? Unverletzt garantiert nicht!

Mögliche Folgen wären Rückenmarksverletzungen, Querschnittslähmung oder im schlimmsten Fall sogar der Tod. Gott sei Dank ist unser Kopf aber eben nicht so groß – im Gegensatz zu dem unserer Kinder!

In einem Kindersitz der entgegen der Fahrtrichtung montiert ist, wird im Falle eines abrupten Stillstand des Fahrzeuges, das Kind in die Sitzschale gedrückt. Die Schale wirkt dabei wie ein Schutzschild und stützt Kopf, Nacken und Wirbelsäule.

Energieverteilung

Dieses Crashtest-Video zeigt es nochmal deutlicher:

Experten auf der ganzen Welt empfehlen daher Kinder bis mindestens 4 Jahre rückwärts zu transportieren. 

In Schweden fahren 90% aller Kinder bis zum 4. Lebensjahr in einem Reboardkindersitz. Dies hat zur Folge, dass in Schweden in den letzten 40 Jahren kein einziges Kind in einem Reboard-Sitz getötet wurde! In Deutschland und Österreich dagegen steigt die Zahl der verletzten oder getöteten Kinder ab dem 1. Geburtstag dramatisch.

In nachfolgender Grafik sieht man gut, wie die Risikoverteilung tödlicher Verletzungen in den jeweiligen Sitzgruppen ist:

Risikoverteilung

„Warum sind Reboarder dann in Österreich und Deutschland aber bislang so unbekannt?“

In Schweden beschäftigen sich Unfallforscher seit Jahren mit den Folgen von Unfällen für Kleinkinder – wahrscheinlich sind die rückwärts gerichtete Kindersitze dort deshalb so beliebt, weil die Bevölkerung schlicht ausreichend darüber informiert wurde. Warum das bei uns nicht so ist, lässt sich schwer sagen.

Vielleicht, weil es harte Arbeit gewesen wäre und viel Werbung und Aufklärungsarbeit erfordert hätte, um die Stimmung am Markt in Richtung Reboarder zu lenken. Vermutlich hätte dies auch einiges an Geld verschlungen. Warum die Mühe, wenn wir eh mit den „normalen“ Kindersitzen zufrieden sind und diese kaufen? Wir vertrauen „blind“ auf die Ergebnisse von Stiftung Warentest und ADAC und kaufen den Sitz mit der besten Testnote. Reboarder schneiden bei diesen Tests allerdings oft nicht gut ab. Warum nur?

(Ausschnitte aus der Sendung ARD Ratgeber Auto – Reise – Verkehr vom 25.11.2012, die sich mit dem Thema rückwärts gerichtete Kindersitze befassen. Dabei wird auf die höhere Sicherheit, falsche Beratung in Kinderfachmärkten und ADAC Testkriterien eingegangen.)

In den Autokindersitz-Tests wird nicht allein die Sicherheit bewertet. Auch der Einbau und die subjektiv empfundene Bequemlichkeit des Sitzes spielen in das Endergebnis hinein. Der jeweilige Testbericht muss also genau studiert werden, um die tatsächliche Sicherheit des ausgewählten Sitzes einschätzen zu können. Vielleicht hat ja der einfache Einbau oder der kuschelige Bezug die gute Testnote ergeben?

Bei Reboardkindersitzen wird die Endnote hauptsächlich durch den aufwändigeren Einbau abgewertet. Aber nicht nur – in manchen Tests bekommen sie auch in der Sicherheit schlechtere Noten.

„Warum schneiden manche Reboardsitze sogar in der Kategorie Sicherheit so schlecht ab?“

An einem Beispiel erklärt:

2009 wurde der HTS Besafe izi Combi X2 von „Test“ mit der Endnote ausreichend (4,2) bewertet. Der Test lässt beim Überfliegen des Berichtes vermuten, dass der Besafe-Sitz wesentlich schlechter ist als die anderen.

Autositz-Test

Den HTS Besafe izi Combi X2 kann man sowohl rückwärts, als auch vorwärts im Auto montieren. Somit wurde er auch in beide Richtungen getestet. Diese beiden Ergebnisse wurden aber nicht einzeln aufgeführt, sondern zusammengefasst. Das führte zur schlechten Beurteilung, denn ungeachtet dessen, dass der Sitz in seinem eigentlichen Verwendungszweck als Reboardkindersitz eine SEHR GUT Sicherheitsnote erhielt, ist der vorwärtsgerichtete Einbau nur befriedigend sicher.

HTS Testergebnis

Für wen der angeblich kompliziertere Einbau per Gurt ein Grund ist keinen Reboarder zu kaufen, kann auf ein Reboardsystem mit Isofix zurückgreifen. Damit ist er nicht komplizierter einzubauen als jeder vorwärtsgerichtete Isofix-Kindersitz. Aber auch die Gurtmontage ist nicht sehr viel aufwendiger als bei herkömmichen Kindersitzen.

„Was passiert aber, wenn mir hinten einer rein fährt? 

Die Verteilung der Unfälle mit tödlichem Ausgang zeigt es deutlich: Der Anteil der Heckcrashs liegt bei lediglich 2% während fast 60% auf Frontalcrashs entfallen. Der Heckaufprall passiert in der Regel mit wesentlich geringerer Geschwindigkeit. Außerdem bleibt das betroffene vordere Auto nicht wie eine massive Steinmauer stehen, sondern gibt nach vorne nach, was die Aufprallenergie maßgeblich abschwächt.

NEWS: Auf gesetzlicher Ebene wird die neue I size Regulation auch schon diskutiert: http://www.anec.eu/attachments/ANEC-PR-2011-PRL-026.pdf Diese neue Norm soll EU-weit dafür sorgen, dass Babys bis 15 Monate rückwärts transportiert werden. Immerhin ein Anfang.

Meine weiteren Artikel zum Thema findet ihr hier:

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14. Juli 2013 von in .im Auto. und getaggt mit , , , .

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