KinderKlimperKram

Ein bisschen öko, ein bisschen waldorf und ganz viel praktisch – Tipps aus meinem Leben mit zwei Kids.

Wann lernen sie das Durchschlafen?

SonnenuntergangNeukölln

Zum Thema SCHLAF und DURCHSCHLAFEN gibt es unendlich viele Bücher und Artikel. Man kann kirre werden, wenn man sich informieren will, denn es gibt auch zwei sehr gegensätzliche Meinungen dazu, wie und wo das Kind schlafen bzw. einschlafen, und wann es durchschlafen soll.

Wer mich kennt weiß, dass ich von den sogenannten Schlaflernprogrammen rein gar nichts halte, bei denen ein Kind systematisch zum alleine Einschlafen und dadurch angeblich zum Durchschlafen trainiert, und dabei weinend alleine gelassen wird. Bei uns gab es immer die absolute „no crying policy“. Ich habe Muckel 19 Monate lang in den Schlaf gestillt und es war großartig, und er schläft auch immer noch bei uns im Zimmer und wenn er möchte, kann er jederzeit zu uns ins Bett gekrabbelt kommen. Aber ich fand unseren Weg nicht immer einfach und habe oft an mir gezweifelt, auch weil ich mich von meiner Umwelt verunsichern lies…

“Wir können die normalen Bedürfnisse der Kinder als „schlechte Angewohnheiten“ oder „Manipulation“ etikettieren, und wir können unser Verhalten gegenüber den Kindern mit allen möglichen, sorgfältig durch-dachten kulturellen Überzeugungen rechtfertigen. Wie auch immer, nichts davon ändert die essentielle biologische, physiologische und emotionale Veranlagung der Kinder mit der Erwartung geboren zu sein, von den Armen der Mutter gehalten zu werden, neben ihr zu schlafen, und tagsüber und auch nachts nach Bedarf gestillt zu werden – weit über die ersten Jahre hinaus.” (Zitat von Dr. Kathy Dettwyler, Ernährungswissenschaftlerin und Anthropologin, Texas)

Natürlich ist jedes Kind ein eingeständiges Individuum und somit sind sie alle ein wenig unterschiedlich. Trotzdem gibt es evolutionsbiologisch viele Gemeinsamkeiten. Klar gibt es sie, die Kinder, die früh von alleine ein- und durchschlafen, ohne dass sie dafür schreien mussten. Ich freue mich sehr für diese Eltern!

Ansonsten glaube ich fest daran, dass jedes Kind irgendwann lernt, alleine einzuschlafen und auch durchzuschlafen – wenn es dafür bereit ist. Aber es ist absolut NORMAL und NATÜRLICH, dass Kinder in den ersten Jahren nachts (auch oft) aufwachen (guter Artikel dazu von Renz-Polster: Schlafprobleme aus Sicht der Evolution).

Was die Schlaflernprogrammen angeht, ist es mir schnuppe, ob es sich um 3 oder 10 Minuten Kind-alleine-weinen-lassen handelt. In meinen Augen ist es echte Kindesmisshandlung ein Baby und Kleinkind alleine im dunkeln weinend zurück zu lassen! Es ist grausam, denn es muss Todesängste ausstehen! Und das einzige was das Kind lernt ist, dass ihm nicht geholfen wird wenn es nach Hilfe ruft – stattdessen wird sein Willen gebrochen, zum Teil mit irreparaplen Langzeitschäden! (Einen ausführlichen Kommentar dazu findet ihr hier.)

Natürlich ist es sau-anstrengend jede Nacht alle 1-2 Stunden aufzuwachen. Ich habe das eineinhalb Jahre mitgemacht und weiß, wie sich Schlafmangel anfühlt. Ich weiß, wie sehr man auf dem Zahnfleisch geht. Meistens bin ich zwar recht schnell wieder eingeschlafen und Muckel neben mir im Bett an der Brust auch. Aber am Ende des ersten Lebensjahres hatte ich trotzdem einen Zusammenbruch und bin krank geworden, weil mein Körper einfach müüüüüüüde war. Aber irgendwie schaffen wir das, es geht…unfassbar. Und ich kann euch nur Mut machen, haltet durch, es wird besser werden!

Mir hat es jedenfalls geholfen ein wenig Hintergrund-Info über den Schlaf von Kindern zu lesen – um es wenigstens zu verstehen und somit besser zu akzeptieren.

Hier meine kleine Auswahl an Artikeln im Netz:

Dr. med. Herbert Renz-Polster: Schlafprobleme aus der Sicht der Evolution

Dr. Katherine Dettwyler: Sleeping through the night oder auf deutsch: Durchschlafen?

Zwei wunderbar geschriebene, gut recherchierte und ausführliche Artikel auf dem Nestling Blog, die mir aus der Seele sprechen (besser kann ich es einfach nicht aufschreiben):

Weitere gute Artikel-Sammlungen zum Thema findet ihr auf dem Blog rabeneltern.org:

Ein paar tolle Bücher, die ich hilfreich fand und mir Kraft gegeben haben:

Weitere Literatur die mir schon oft empfohlen wurde, die ich allerdings bisher noch nicht gelesen habe:

Übrigens, das Buch von Elizabeth Pantley „Schlafen statt Schreien“ verspricht ein 10-Schritte-Programm für ruhige Nächte OHNE das Kind weinen zu lassen. Pantley gibt Tipps wie man sein Kind sanft an das alleine Einschlafen und somit auch Durchschlafen heranführen kann.

Wir haben das Programm nie gemacht – ich war zu müde, hatte auch irgendwie keine Lust ein volles „Programm“ durchzuführen und hab dann auch darauf vertraut, dass es einfach besser werden würde. Doch ein paar Punkte fand ich ganz spannend und habe sie trotzdem bei uns eingebaut. Vor allem fand ich ihren Hinweis sehr interessant (und er hat sich bei uns absolut bewahrheitet!), dass ein regelmäßiger und vor allem langer und zusammenhängender Tagschlaf im direkten Zusammenhang zu einem besseren Nachtschlaf steht; um so länger die Kids tagsüber am Stück schlafen können, würden sie es auch nachts schaffen besser zu schlafen. Irgendwie witzig, oder? Da sagen einem Omas und Tanten doch gerne das Gegenteil: …das ein langer Tagschlaf dazu führt, dass das Kind nachts nicht gut schläft. Tja…

Pantley betont auch die Wichtigkeit von festen Schlafenszeiten, einem gleichbleibendem Schlafensort und wiederkehrenden Ritualen. Außerdem habe ich tatsächlich auch immer wieder mal das von ihr empfohlene sanfte ohne-Brust-Einschlafen geübt, indem ich Muckel kurz vor dem Einschlafen die Brust vorsichtig „entzog“. Ob ihm das wirklich geholfen hat das alleine Einschlafen zu lernen…wer weiß das schon, vielleicht.

Zum Abschluss die Dinge, die bei uns zu gutem Schlaf führen:

  • Ein wiederkehrender Tagesrhythmus mit festen Essens- und Schlafenszeiten (ich bin da recht konsequent)
  • Das (Ein-)Schlafen immer am gleichen, bekannten Ort (sogar der Wechsel zwischen seinem und unserem Bett war eher kontraproduktiv).
  • Rituale die ihm anzeigen, dass es bald zum Schlafen geht und ihm die Möglichkeit geben langsam „runter zu fahren“.
  • Das „Bespaßungsprogramm“ wird abends ruhiger, es wird nicht mehr getobt, gekitzelt, wild Ball gespielt, etc.; wir gucken uns zB stattdessen Bücher an.
  • Zum Abendbrot gibt es keine eiweißhaltige Nahrung mehr die wach hält (Fleisch und Fisch, da Eiweiß das gehirnstimulierende Dopamin aktiviert).
  • Ein Kuscheltier im Bett, was ich noch während des Stillens eingeführt habe.
  • Ach ja, und wir haben das Zimmer komplett abgedunkelt – dass hilft auf jeden Fall morgens! 🙂

UPDATE (Februar 2013): Wieder ist eine heiße Debatte zu diesem Thema im Netz entbrannt, da die Autorin Annette Kast-Zahn des äußerst umstrittenen Buches „Jedes Kind kann schlafen lernen“ sowohl in der ELTERN als auch in der NIDO ein Interview gegeben hat. Sie ist auf Promotiontour für die Neuauflage ihres Buches. Darauf gab es viele Reaktionen im Netz. Es ist interessant sich diese Debatte mal anzuschauen, hier eine kleine Link-Auswahl:

Reaktion der Journalistin Nora Imlau, die das Interview in der ELTERN geführt hat (Jan. 2014)

Ausführliche und sachliche Reaktion des Kinderarztes Herbert Renz-Polster auf die Debatte (Jan. 2014)

Kritisches Statement zum ELTERN Interview von Susanne/Geborgen Wachsen (Jan. 2014)

Gut geschriebener Offener Brief von Tanja Wiemann an Annette Kast-Zahn (Feb. 2014)

Petition gegen das Buch von Annette Kast-Zahn (Sept. 2013)

Artikel in der NIDO zur Petition gegen das Buch (Sept. 2013)

Älteres Interview mit Annette Kast-Zahn in der Süddeutschen Zeitung (Sept. 2012)

3 Kommentare zu “Wann lernen sie das Durchschlafen?

  1. Laura
    7. September 2013

    Witzig, bei uns findet das Bespaßungprogramm oft abends statt und wir lassen so richtig Energie raus und lachen uns in den Schlaf. Wichtig dabei ist nur, zu merken, wann es zuviel ist. Bei uns gibt es nur so pi-mal-daumen Zeiten, aber irgendwie scheint das zu uns zu passen, uns geht es gut damit. Wir essen – wenn wir Hunger haben, schlafen – wenn wir müde sind, unabhängig von der Zeit. Jeder Tag ist anders, aber irgendwie funktioniert es. 🙂

    • hidizzle
      10. September 2013

      Das klingt doch gut, so findet jeder seinen Weg als Familie. So lange ich noch in den Schlaf gestillt habe, war das Einschlafen auch meist easy. Tricky wird es dann, wenn dein Kind größer ist, mobil ist, nicht mehr in den Schlaf gestillt wird und viiiiiiiiel zu erzählen und verarbeiten hat vom Tag 😉 Wir sind auch keine traurigen Gemüter, weder tagsüber noch nachts, aber der Trick ist eben nicht mehr wild rumzutoben, keine Kissenschlachten, kein Auskitzeln und kein fangen oder eben wildes Ball spielen. Sogar schon im Bett liegend, wenn wir nur noch flüstern bzw. gar nichts mehr sagen, lächle ich den Kleinen noch an, wenn er mir was erzählt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29. August 2013 von in über Schlaf und getaggt mit , , , , .

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